Die Bettdecke ist warm und schmiegt sich an meinen müden Körper. Die Luft im Raum ist zu kalt um aufstehen zu wollen, doch mein klingelnder Wecker beschwert sich am anderen Ende des Raumes. Ein kleiner Hechtsprung bringt mich dorthin, ich beende den Lärm und sitze mit schlaffen Schultern und geschlossenen Augen am Fußende des Bettes mit meinem Handy in der Hand. Ich brauche eine Minute um meine Augen zu öffnen, die vom hellen Licht angeleuchtet werden. Die nächtlichen Nachrichten aus Deutschland gewöhnen meine Augen an die Helligkeit und wecken mich allmählich auf. Hinter mir dreht sich Alex grunzend auf die andere Seite und ich hebe mein Gesäß, sodass er die ganze große Decke für sich alleine haben kann.
Ich gehe mit wackligen Beine zu meinem Kleiderschrank, nehme mir meinen Kimono und mache mich auf einen leisen Weg ins Wohnzimmer. Die Wohnung ist noch dunkel und still. Alle Vorhänge sind zugezogen, doch durch die Schlitze kann man erahnen, dass es draußen beginnt heller zu werden. Während das Wasser im Wasserkocher heiß wird, bereite ich schon Tasse und Teebeutel vor, strecke mich kurz und suche mir eine passende Yoga-und Meditationseinheit heraus. Am liebsten ist es mir mit Mady Morrison in den Tag zu starten. Denn sie gibt mir morgens die nötige Energie mit einem Lächeln in den Tag zu starten, ohne dass verspannte Schultern die Müdigkeit aus der vergangenen Nacht mit in den Tag nehmen.
Ich schiebe die Vorhänge der großen Balkontüre zur Seite und sehe, wie sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken bahnen und ihre Leinwand auf den obersten Spitzen der Dächer finden. Noch im Schlafanzug beginne ich meine Yogaeinheit. Meine Muskeln sind noch steif und kalt, meine Gelenke ungedehnt. Einfache Dehnübungen kombiniert mit tiefen Atemzügen wecken meinen Körper jedoch endgültig auf, der nun tiefe Wärme ausstrahlt und Energie ins sich trägt.

Nachdem ich mit Mady das erste Mal gelächelt habe für diesen Tag, ziehe ich mich etwas gemütlicher an und nehme mir ein Handtuch und meine Tasse Tee mit in die frische Morgenluft auf dem Balkon. Die meisten der umliegenden Vorhänge der Nachbarwohnungen sind noch zugezogen. Nur in einzelnen sieht man im gelben Licht wie verschlafene Gestalten an Küchenzeilen stehen, während Kinder schon munter, aber immer noch in bunten Schlafanzügen durchs Wohnzimmer tollen. Draußen ist es frisch. Der Wind saust mir um die Nase und bringt Meerluft mit sich. Die Wiese vor mir ist mit Tau bedeckt und glitzert leicht pastellfarbend. Es scheint, als sei der Tag selbst noch zu müde, um die Natur mit kräftigen Farben zu schmücken. Das Handtuch liegt nun auf dem Boden und ich setze mich in einem gemütlichen Schneidersitz darauf, meine warme Tasse mit beiden Händen umklammert. Ein bisschen friert es mich. Ich konzentriere mich auf Madys Stimme und folge ihren Anweisungen. Die Konzentration auf meinen Atem bringt mich langsam an einen Ort der Stille und Gelassenheit. Gedanken kommen und gehen. Nichts scheint wichtig zu sein. Was zählt ist der Moment, in dem ich atme. Die Tasse in meiner Hand spendet mir Wärme.

Nach einer Weile, in der ich nur so da sitze, komme ich wieder zu tieferen Atemzügen. Ich spüre wieder die kühle Luft und wie die Sonne mein Gesicht kitzelt. Ihre Wärme läuft wie Honig über mein Gesicht und ich spüre wie meine Haut sie aufsaugt. Der nur noch lauwarme Tee ist nun perfekt zu trinken und ich genieße jeden Schluck. Dann richtige ich mich langsam auf, schüttle meine Beine und hebe meine Arme mit tiefen Atemzügen über meinen Kopf. Auch wenn vielleicht der ein oder andere Nachbar zuschaut, wie ich mit zerzausten Haaren, Pyjamahose und Jacke auf meinem Balkon meditiere, ist mir das herzlich gleich. Meinen Morgen kann mir jetzt niemand mehr vermiesen.
Als ich wieder ins Wohnzimmer trete, kommt ein verschlafener Alex aus unserem Schlafzimmer gestapft. Sein Haar ist zerzaust, seine Augen zugekniffen und leichte Schlafabdrücke schmücken seine Wangen. Mit gehobenen Armen schlürft er auf mich zu und wir wünschen uns umarmend einen guten Morgen.
Es ist aber auch wirklich ein sehr guter Morgen!

